Besuch von Dietmar Hopp - ein Höhepunkt der Fanclub-Geschichte

Montag, 22. Juni 2015

Rund um Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim ist es derzeit sehr ruhig. Die Profis befinden sich, bis auf die Nationalspieler Kevin Volland (U21-Europameisterschaft) und Roberto Firmino (Copa-América), in Urlaub. Was die Kaderzusammenstellung für die neue Saison 2015/16 anbelangt, wurden die Weichen, bis auf wenige Ausnahmen, bereits gestellt.

Da traf es sich gut, dass Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp der Einladung des 1899-Fanclubs „Fußballfreunde Blau-Weiss“ aus Sinsheim-Rohrbach nachkam und in einer fast dreistündigen, lockeren und familiären Plauderstunde, im vollbesetzten Vereinsheim des SV Rohrbach/S., zu allen möglichen Fragen über die TSG Hoffenheim Stellung nahm.

Nach der Begrüßung und Vorstellung von Dietmar Hopp präsentierte der 1. Vorsitzende Jürgen Bauer mit einer informativen Foto-Show die Entwicklungsgeschichte, des am 2. Januar 2009 gegründeten und inzwischen 160 Mitglieder starken 1899-Fanclubs. Beim anschließenden Fanclublied durfte auch der Ehrengast mit den rund 60 anwesenden Hoffe-Fans kräftig mitsingen.

Für Rohrbachs Ortsvorsteher Friedhelm Zoller war es eine passende und willkommene Gelegenheit, Dietmar Hopp für sein großzügiges Engagement im sportlichen und sozialen Bereich zu danken. Als eines der zahlreichen Projekte, das der 75-Jährige mit seiner Stiftung auch im Bereich der Großen Kreisstadt Sinsheim fördert und finanziell unterstützt, nannte er stellvertretend die in kürze auf dem Postgartengelände entstehende „alla hopp!“-Anlage, eine von 18 in der Metropolregion gespendeten generationsübergreifenden Bewegungs- und Begegnungsanlagen.

Mit einem außergewöhnlichen Vortrag konnte Fanclubmitglied Reiner Schock über die Entwicklungsgeschichte seines Sohnes Dominik, die durch das vielseitige und umfangreiche Engagement von Dietmar Hopp viele besondere Momente und Erlebnisse rund um den Sport ermöglichten, die Zuhörer in seinen Bann ziehen. Die abwechslungsreiche Geschichte über Dominiks Jugend sollte stellvertretend aufzeigen, welche Vorteile und Möglichkeiten die Jugendliche in der Region in Verbindung mit der Förderung seitens der Familie Hopp und der TSG 1899 Hoffenheim erfahren.

Dietmar Hopp bedankte sich für den freundlichen Empfang und die lobenden Worte. Er war überrascht vom engagierten Fanclub-Leben in Rohrbach/S., insbesondere über die Fanfreundschaft ins Ruhrgebiet zum Fanclub Essen/Ruhr. Aus aktiven Fußballzeiten hat er noch sehr gute Erinnerungen an Rohrbach („Hier haben wir meistens mit der TSG gegen den SV gewonnen“). Bemerkenswert  fand er die seit Jahren praktizierte, intensive und erfolgreiche Arbeit mit den mehr als 300 Jugendlichen im Verein.

Weniger gut blieb ihm eine Geschichte aus der Jugendzeit  in Erinnerung: Auf dem Weg zur damaligen Freundin und heutigen Frau Anneli, von Hoffenheim nach Steinsfurt, rutschte er auf glatter Fahrbahn in einer scharfen Kurve in Rohrbach mit dem Wagen an den Randstein. Der Schaden in Höhe von 800.- DM tat ihm dabei richtig weh.

Sehr ausführlich und gewissenhaft nahm Herr Hopp in der anschließenden Frage-Runde zu vielen unterschiedlichen Themen Stellung:

Rückblickend auf die Entwicklung und sein Engagement, das im Jahr 1989 in Hoffenheim seine Anfänge nahm und die Zielrichtung Oberliga hatte, wurde erst durch den neu gegründeten Sportarbeitskreis der Metropolregion, die nötige Infrastruktur und der Ausbau einer geordneten Unternehmensstruktur eine Grundlage für den späteren Bundesligaaufstieg geschaffen.

Für Hopp ist es selbstverständlich, dass sowohl im Berufsleben als auch im Sport Ziele gesetzt werden. Auch aufgrund der Vorbelastung durch das Verfehlen der ehrgeizigen Ziele des ehemaligen Trainers Markus Babbel wurde das Wort „Europa-League-Qualifikation“ nie öffentlich in den Mund genommen. Aufgrund der positiven Hinrunde und des hochgelobten Winter-Trainingslagers in Südafrika, war das allgemeine Abschneiden in der Rückrunde eher enttäuschend.

Den Weg nach Europa sieht er nur möglich, wenn einer der sechs Top-Clubs unter seinen Möglichkeiten bleibt.  Bedingt durch den DFB-Pokal kann auch der siebte Platz am Ende für das internationale Geschäft reichen.

Nach der Übernahme der Mehrheitsrechte am 1. Juli wird Hopp gemeinsam mit der Geschäftsführung daran arbeiten, den Klub weiter für die Zukunft fit zu machen. Dabei vertraut er sowohl der Geschäftsführung als auch der sportlichen Leitung, die ihn auch heute schon bei Investitionen in Millionenhöhe zu Rate zieht. Hopp: „Auch wenn ich in der Vergangenheit sehr oft finanzielle Defizite ausgeglichen habe, wird in naher Zukunft das Financial Fairplay greifen. Es wird wohl auch mittelfristig Maßstab bei der Lizenzierung zur Bundesliga. Mäzene wie ich werden künftig immer weniger in den Verein investieren können, außer im Bereich Jugendförderung. Die Vereine müssen ihre Ausgaben durch selbst erwirtschaftete Gewinne ausgleichen.“

Was Zuschauereinnahmen, TV-Gelder, Sponsoring und Merchandising anbelangt, sieht der Gesellschafter noch reichlich Luft nach oben. Ein neues System, das die SAP installiert hat, ermöglicht voraussichtlich ab Herbst mobile Einkäufe, man kann sich das Sortiment anschauen und auswählen. Für die TSG, die wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden muss, sind Transferüberschüsse Voraussetzungen, um aus der Verlustzone heraus zu kommen. Hopp: „Ein wachsame Auge sollten wir daher weiter auf den brasilianischen Markt richten, wo wir durch die Verkäufe von Carlos Eduardo, Luiz Gustavo und jetzt Firmino hohe Gewinne erzielen. Ich sehe uns als Ausbildungsverein im internationalen Bereich.“

Die positive Entwicklung im Nachwuchsbereich soll dabei weiter forciert und die Talente behutsam an den Profikader heranzuführen werden.

Während Herr Hopp mit der Entwicklung der TSG-Fanszene mehr als zufrieden ist, wünscht er sich schnellstens eine neue Organisierung und Strukturierung der FIFA: „Das Ganze hat sich zu einem Affentheater, mit offenbar kriminellem Hintergrund, entwickelt. Ein zusätzliches Possenspiel zudem, dass Präsident Sepp Blatter nun den Rücktritt vom Rücktritt erwägt.“

Auch bei der überraschenden Vertragsverlängerung von Kevin Volland hatte Hopp seine Hände im Spiel: „Ich habe dem Kevin versprochen, ihn zu jedem Eishockey-Spiel einzuladen. Daraufhin hat er unterschrieben“, verrät er mmit einem Lächeln auf den Lippen.
Zur besorgten Nachfrage eines Fans in Richtung Nachfolgeregelung, konnte er beruhigen: „Mein Sohn Daniel ist sportbegeistert durch und durch. Er muss als mein Nachfolger nicht den „Weg der hohen Verluste“ gehen wie ich. Ich bin mir sicher, dass es ihm viel Spaß machen wird. Er ist ein großer Sportsmann. Die Fans brauchen sich keine Sorge zu machen.“

Nachdem alle Fragen beantwortet waren, bekam der Gast als Erinnerung an diesen besonderen Abend eine große Glasplatte, versehen mit dem TSG-Logo und einer speziellen Gravur, die ihn an den Besuch in Rohrbach/S. erinnern solle, überreicht. Dass es auch eine Prämiensteigerung bei Herrn Hopp gibt, machte der 1. Vorsitzende Jürgen Bauer mit einem Wurst-Geschenkkorb deutlich. Nachdem der ehemalige TSG-Mittelstürmer für seine Tore eine Dose Wurst bekam, wurde er nun reichlich kulinarisch beschenkt. Unter großem Beifall, in blau-weiß geschmückter Umgebung, wurde Herr Hopp anschließend zum Fanclub-Ehrenmitglied ernannt.

Fotos: Ellen Klose und Susanna Bauer